Die Gastronomie ist eine anspruchsvolle Branche: lange Arbeitszeiten, Kostendruck, komplexe Mehrwertsteuerregelungen und stetiger Wechsel bei Personal und Angebot. Umso wichtiger ist eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und Treuhändern. Wenn beide Seiten ihre Rolle verstehen und offen kommunizieren, entsteht ein echter Mehrwert. Doch wo liegen die Erfolgsfaktoren – und wo lauern die Risiken?
Die
Lohnbuchhaltung in der Gastronomie ist alles andere als simpel. Stundenlöhne,
Teilzeit, Aushilfen, Saisonpersonal, unregelmässige Arbeitszeiten, Trinkgelder
sowie Nachtarbeit machen die Lohnabrechnung komplex. Hinzu kommen häufige Ein-
und Austritte von Mitarbeitenden sowie krankheits-/unfall- und
elternzeitbedingte Abwesenheiten, die eine saubere und zeitnahe Verarbeitung
erfordern. Fehler in der Lohnbuchhaltung betreffen nicht nur Zahlen, sondern
Menschen. Pünktliche und korrekte Lohnzahlungen, korrekte Abrechnungen von
Sozialversicherungen, Taggelder und Erwerbsersatzentschädigung sowie die
Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben insbesondere des L-GAV sind essenziell
für Vertrauen, Motivation und Arbeitgeberattraktivität. Die Lohnbuchhaltung ist
weit mehr als eine administrative Pflicht. Sie erfordert Genauigkeit,
Verlässlichkeit und eine enge Abstimmung zwischen Gastronomen und Treuhänder.
Eine gut organisierte Zusammenarbeit in diesem Bereich reduziert Risiken,
stärkt das Vertrauen der Mitarbeitenden und schafft Sicherheit für den Betrieb.
Tipp für die Praxis: Frag
beim Treuhänder nach, ob die Bestimmungen des L-GAV, z.B. die richtige
Handhabung des 13. Monatslohns in der Probezeit, für den eigenen Betrieb
umgesetzt und eingehalten werden, und verhindere so Aufrechnungen durch die
Kontrollstelle.
Die
Finanzbuchhaltung in der Gastronomie ist mittlerweile eine Herausforderung,
insbesondere wenn es um die präzise Abrechnung der Mehrwertsteuer geht. Sobald
zum Beispiel Umsätze über die bekannten Take-away- und Lieferplattformen
erzielt werden, wird die Sache aufgrund der eingeführten Plattformbesteuerung
noch vielschichtiger. Was viele nicht wissen: Die richtige Abrechnungsmethode
ist alles andere als eine Nebensache, denn sie kann den Unterschied zwischen
Gewinn und Verlust ausmachen. Hier ist Expertenwissen gefragt, und die Wahl des
Treuhandbüros wird zum Schlüssel für eine korrekte und zukunftssichere
Buchhaltung.
Tipp für die Praxis: Beim
Treuhänder nachfragen, welche Abrechnungsmethode (effektiv oder
Saldosteuersatz) für den Betrieb die tiefere Steuerbelastung mit sich bringt
und einen möglichen Wechsel in Betracht ziehen (möglich bis 60 Tage nach
Beginn der Steuerperiode).
In einer
Branche, die im Wandel ist, sind Investitionen, Kalkulationen und eine
vorausschauende Personalplanung entscheidend. Wer nicht rechtzeitig reagiert,
verliert schnell den Anschluss. Hier kommt die betriebswirtschaftliche Beratung
ins Spiel: Ein Treuhänder, der nicht nur die Zahlen im Blick hat, sondern auch
als strategischer Berater fungiert, kann einem Gastronomiebetrieb helfen, die
Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Dabei ist die Wahl der
richtigen Rechtsform ebenso wichtig wie der Einsatz innovativer,
zukunftsorientierter Tools. Diese Entscheidungen sind der Schlüssel, um das
Unternehmen im Wettbewerb an der Spitze zu halten.
Tipp für die Praxis: Den
Treuhänder fragen, ob der direkte Warenaufwand (Spartenrechnung) des
Betriebes im Branchenschnitt liegt oder ob möglicherweise Massnahmen
(Preisanpassungen, Angebotsgestaltung und so weiter) einen positiven Effekt
auslösen können.
Die
Digitalisierung verändert die Zusammenarbeit mit Treuhändern nachhaltig.
Moderne Buchhaltungssoftware, digitale Belegablage und Schnittstellen zu
Kassensystemen erleichtern die Zusammenarbeit enorm. Sie reduzieren Fehler,
sparen Zeit und ermöglichen aktuellere Auswertungen – ein wesentlicher Vorteil
für betriebliche Entscheidungen.
Doch so viel Technik auch bietet: Der persönliche Kontakt bleibt unerlässlich.
Eine gute Zusammenarbeit geht über das reine Verarbeiten von Zahlen hinaus.
Treuhänder können Gastronomen aktiv unterstützen, beispielsweise bei
Liquiditätsplanungen, Investitionsentscheidungen, Nachfolge- oder
Expansionsplänen. Die Treuhänder sind dabei nicht nur Fachpersonen für Zahlen,
sondern auch verlässliche Partner, die jederzeit den Überblick behalten.
Tipp für die Praxis: Beim
Treuhänder nachfragen, welche Digitalisierungs- und Schnittstellenoptionen
(etwa die Anbindung eines Bankkontos an die Buchhaltungssoftware) für den
Betrieb möglich und sinnvoll sind.
Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und Treuhändern basiert auf gegenseitigem Verständnis, klarer Kommunikation und Vertrauen. Wer die Buchhaltung nicht nur als Pflicht, sondern als Führungsinstrument begreift, profitiert langfristig. Gleichzeitig sind die Treuhänder gefragt, ihre Rolle als Sparringspartner aktiv wahrzunehmen. So wird aus einer notwendigen Dienstleistung eine echte Partnerschaft.
Text: Thomas Grüter und Team, Gastroconsult
Luzern
Quelle: GastroJournal Nr. 12/13 | 19. März 2026