Donnerstag, 19. März 2026

So bleibt Gastronomie zukunftsfähig

Die Gastronomie ist eine anspruchsvolle Branche: lange Arbeitszeiten, Kostendruck, komplexe Mehrwertsteuerregelungen und stetiger Wechsel bei Personal und Angebot. Umso wichtiger ist eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und Treuhändern. Wenn beide Seiten ihre Rolle verstehen und offen kommunizieren, entsteht ein echter Mehrwert. Doch wo liegen die Erfolgsfaktoren – und wo lauern die Risiken?

 

Komplexität trifft auf Expertise

Die Lohnbuchhaltung in der Gastronomie ist alles andere als simpel. Stundenlöhne, Teilzeit, Aushilfen, Saisonpersonal, unregelmässige Arbeitszeiten, Trinkgelder sowie Nachtarbeit machen die Lohnabrechnung komplex. Hinzu kommen häufige Ein- und Austritte von Mitarbeitenden sowie krankheits-/unfall- und elternzeitbedingte Abwesenheiten, die eine saubere und zeitnahe Verarbeitung erfordern. Fehler in der Lohnbuchhaltung betreffen nicht nur Zahlen, sondern Menschen. Pünktliche und korrekte Lohnzahlungen, korrekte Abrechnungen von Sozialversicherungen, Taggelder und Erwerbsersatzentschädigung sowie die Einhaltung arbeitsrechtlicher Vorgaben insbesondere des L-GAV sind essenziell für Vertrauen, Motivation und Arbeitgeberattraktivität. Die Lohnbuchhaltung ist weit mehr als eine administrative Pflicht. Sie erfordert Genauigkeit, Verlässlichkeit und eine enge Abstimmung zwischen Gastronomen und Treuhänder. Eine gut organisierte Zusammenarbeit in diesem Bereich reduziert Risiken, stärkt das Vertrauen der Mitarbeitenden und schafft Sicherheit für den Betrieb.
Tipp für die Praxis: Frag beim Treuhänder nach, ob die Bestimmungen des L-GAV, z.B. die richtige Handhabung des 13. Monatslohns in der Probezeit, für den eigenen Betrieb umgesetzt und eingehalten werden, und verhindere so Aufrechnungen durch die Kontrollstelle.

 

Finanzbuchhaltung

Die Finanzbuchhaltung in der Gastronomie ist mittlerweile eine Herausforderung, insbesondere wenn es um die präzise Abrechnung der Mehrwertsteuer geht. Sobald zum Beispiel Umsätze über die bekannten Take-away- und Lieferplattformen erzielt werden, wird die Sache aufgrund der eingeführten Plattformbesteuerung noch vielschichtiger. Was viele nicht wissen: Die richtige Abrechnungsmethode ist alles andere als eine Nebensache, denn sie kann den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmachen. Hier ist Expertenwissen gefragt, und die Wahl des Treuhandbüros wird zum Schlüssel für eine korrekte und zukunftssichere Buchhaltung.
Tipp für die Praxis: Beim Treuhänder nachfragen, welche Abrechnungsmethode (effektiv oder Saldosteuersatz) für den Betrieb die tiefere Steuerbelastung mit sich bringt und einen möglichen Wechsel in Betracht ziehen (möglich bis 60 Tage nach Beginn der Steuerperiode).

 

Der Kompass für den Erfolg

In einer Branche, die im Wandel ist, sind Investitionen, Kalkulationen und eine vorausschauende Personalplanung entscheidend. Wer nicht rechtzeitig reagiert, verliert schnell den Anschluss. Hier kommt die betriebswirtschaftliche Beratung ins Spiel: Ein Treuhänder, der nicht nur die Zahlen im Blick hat, sondern auch als strategischer Berater fungiert, kann einem Gastronomiebetrieb helfen, die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Dabei ist die Wahl der richtigen Rechtsform ebenso wichtig wie der Einsatz innovativer, zukunftsorientierter Tools. Diese Entscheidungen sind der Schlüssel, um das Unternehmen im Wettbewerb an der Spitze zu halten.
Tipp für die Praxis: Den Treuhänder fragen, ob der direkte Warenaufwand (Spartenrechnung) des Betriebes im Branchenschnitt liegt oder ob möglicherweise Massnahmen (Preisanpassungen, Angebotsgestaltung und so weiter) einen positiven Effekt auslösen können.

 

Digitalisierung: Chancen nutzen

Die Digitalisierung verändert die Zusammenarbeit mit Treuhändern nachhaltig. Moderne Buchhaltungssoftware, digitale Belegablage und Schnittstellen zu Kassensystemen erleichtern die Zusammenarbeit enorm. Sie reduzieren Fehler, sparen Zeit und ermöglichen aktuellere Auswertungen – ein wesentlicher Vorteil für betriebliche Entscheidungen.

Doch so viel Technik auch bietet: Der persönliche Kontakt bleibt unerlässlich. Eine gute Zusammenarbeit geht über das reine Verarbeiten von Zahlen hinaus. Treuhänder können Gastronomen aktiv unterstützen, beispielsweise bei Liquiditätsplanungen, Investitionsentscheidungen, Nachfolge- oder Expansionsplänen. Die Treuhänder sind dabei nicht nur Fachpersonen für Zahlen, sondern auch verlässliche Partner, die jederzeit den Überblick behalten.
Tipp für die Praxis: Beim Treuhänder nachfragen, welche Digitalisierungs- und Schnittstellenoptionen (etwa die Anbindung eines Bankkontos an die Buchhaltungssoftware) für den Betrieb möglich und sinnvoll sind.

 

Die richtige Partnerschaft

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Gastronomen und Treuhändern basiert auf gegenseitigem Verständnis, klarer Kommunikation und Vertrauen. Wer die Buchhaltung nicht nur als Pflicht, sondern als Führungsinstrument begreift, profitiert langfristig. Gleichzeitig sind die Treuhänder gefragt, ihre Rolle als Sparringspartner aktiv wahrzunehmen. So wird aus einer notwendigen Dienstleistung eine echte Partnerschaft.


Text: Thomas Grüter und Team, Gastroconsult Luzern
Quelle: GastroJournal Nr. 12/13 | 19. März 2026

 

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